Reid Anderson hat im Laufe seiner Intendanz beim Stuttgarter Ballett über 80 neue Werke, überwiegend von Choreographen der jungen Generation, auf den Bühnen von Opernhaus, Schauspielhaus und Kammertheater zur Uraufführung gebracht. Mit seiner konsequenten Förderung des choreographischen Nachwuchses gelang es ihm, Talente wie Christian Spuck und Marco Goecke für Stuttgart zu gewinnen, wo beide ihre ersten Choreographien für die Noverre-Gesellschaft und später ihre ersten Werke für eine große klassische Compagnie schufen.
Seit Beginn der Spielzeit 2005/06 hat das Stuttgarter Ballett mit Marco Goecke einen weiteren Hauschoreographen, der mit seiner unverwechselbaren Tanzsprache die junge Avantgarde vertritt. Der gebürtige Wuppertaler profilierte sich ebenfalls zunächst mit mehreren Aufsehen erregenden Arbeiten für die Noverre-Gesellschaft, bevor er 2005 mit Sweet Sweet Sweet erstmals für einen Ballettabend des Stuttgarter Balletts choreographierte. Die Tanzkritik feiert ihn als „Hoffnungsträger" (ballettanz) und würdigte ihn 2005 und 2006 mehrfach als herausragendes Talent. Im Dezember 2006 wurde Goeckes in mysteriöses Dunkel gehüllte Version des Nussknackers im Kammertheater uraufgeführt, vom Publikum bejubelt und von der Presse hoch gelobt. 2010 schließlich stellte Goecke mit Orlando ein bahnbrechendes abendfüllendes Handlungsballett vor.
Schon kurze Zeit nach seinem Debüt als Choreograph stieß Marco Goeckes innovativer Ansatz auf internationales Interesse. In den vergangenen Jahren hat er Auftragswerke für Tänzer des New York City Ballets, für das Scapino Ballet Rotterdam, für das Hamburg Ballett und für das Ballett des Staatstheaters Braunschweig choreographiert. Seine Werke wurden unter anderem im New Yorker Joyce Theater, beim Jacob's Pillow Festival in Becket, Massachusetts, auf der Tanzbiennale in Venedig und beim Pacific Northwest Ballet, Seattle aufgeführt. Im Dezember 2006 erhielt Marco Goecke den im Rahmen des Monaco Dance Forums in Monte Carlo verliehenen "Prix Nijinski" in der Kategorie „Aufstrebender Choreograph" - eine der bedeutendsten Ehrungen der Ballettwelt, die im Zweijahresrhythmus verliehen wird.
Jüngstes choreographisches Nachwuchstalent aus den Reihen der Stuttgarter Compagnie ist der Argentinier Demis Volpi, der nach mehreren Beiträgen für die Jungen Choreographen der Noverre-Gesellschaft auch Stücke in Ballettabenden des Stuttgarter Balletts zur Aufführung brachte und zuletzt mit seiner Version des Karneval der Tiere auf sich aufmerksam machte. Aus der internationalen Kritikerumfrage des renommierten Magazins tanz ging Demis Volpi als "Hoffnungsträger des Jahres 2011" hervor.
Auch der Engländer Douglas Lee tanzte 15 Jahre beim Stuttgarter Ballett und machte hier neben seinen großen Erfolgen als Erster Solist auch bald als Choreograph auf sich aufmerksam. Sein choreographisches Debüt gab Douglas Lee 1999 mit Jane, John, John, Jane, Jane, John... bei der Noverre-Gesellschaft. Noch im selben Jahr erhielt Lee von Ballettintendant Reid Anderson den Auftrag, für das Stuttgarter Ballett eine Choreographie zu kreieren: Curtain of Hands. Es folgten Siren Sounding, Cindys Gift, Aubade, Lachrymal, Dummy Run, Leviathan und Fanfare LX, Nightlight und zuletzt Miniatures, außerdem zahlreiche internationale Aufträge als Choreograph, so z.B. vom Norwegischen Nationalballett, beim Royal Ballet of Flanders und vom New York City Ballet. Seit Beginn der Spielzeit 2011-12 arbeitet Douglas Lee als freier Choreograph an internationalen Häusern.
Die designierte Ballettdirektorin am Musiktheater im Revier, Bridget Breiner, wirkte von 1996 bis einschließlich 2010-11 ebenfalls als Tänzerin und Choreographin am Stuttgarter Ballett.
Hier schuf sie zunächst In the Kitchen, The Foul Prank oder Der böse Streich und Sirs für die Noverre- Gesellschaft. Letztere wurde in das Repertoire des Stuttgarter Balletts übernommen. Darüber hinaus entstanden Zeitsprünge, Adagio Assai, und in Zusammenarbeit mit Demis Volpi die Revue The Broadway Baby, außerdem La Grande Parade du Funk für den Erik-Bruhn-Preis in Toronto und die Stuttgarter Schauspielproduktion Der Prinz von Dänemark – Ein Hamlet-Musical. 2011 verabschiedete sie sich mit Double Bass Concerto vorerst von der Stuttgarter Compagnie.
Für das Kevin O'Day-Ballett Mannheim kreierte sie 2009 Hold Lightly, 2010 wurde ihr erstes Auftragswerk für das Stuttgarter Ballett Letters of Others uraufgeführt, im April 2011 ihre Version von Othello am Theater Augsburg.
Weitere Choreographen, die Ballettintendant Reid Anderson bisher mit Uraufführungen beauftragte, waren u.a.: David Bintley, Uwe Scholz, Mauro Bigonzetti, Jean-Christophe Blavier, Kevin O'Day, James Sutherland, Pascal Touzeau, Trey McIntyre, Dominique Dumais, Marguerite Donlon, Daniela Kurz, John Alleyne, Itzik Galili, Wayne McGregor, Marc Spradling, Matjash Mrozewski, Sabrina Matthews, Caetano Soto und Nicolo Fonte.
Unter den zahlreichen Neuschöpfungen waren mehrere abendfüllende Handlungsballette: Maximiliano Guerra debütierte beim Stuttgarter Ballett mit einer Neufassung von Don Quijote im Dezember 2000 als Choreograph und Jean-Christophe Blavier choreographierte 1998 Ein Sommernachtstraum. In der Spielzeit 2006/2007 schuf Mauro Bigonzetti seine erste abendfüllende Original-Choreographie I fratelli – Die Brüder. Kevin O'Day präsentierte in der Spielzeit 2008/09 seinen Abendfüller Hamlet.
Darüber hinaus erweiterte Reid Anderson das Spektrum der Compagnie um zahlreiche Werke unter anderem von George Balanchine, William Forsythe, Uwe Scholz, Jerome Robbins, James Kudelka, Frederick Ashton, Paul Lightfoot/Sol León, John Neumeier und Hans van Manen, von dem das Stuttgarter Ballett mittlerweile mehr als 20 Werke im Repertoire führt.
Neben der Uraufführung neu geschaffener Werke und der Stärkung des Repertoires im Bereich der modernen Klassik und der zeitgenössischen Choreographie bildet das Werk
John Crankos einen Schwerpunkt im Spielplan des Stuttgarter Balletts.
Nicht nur im Stuttgarter Opernhaus, sondern auch auf den weltweiten Tourneen der Compagnie werden
Romeo und Julia,
Der Widerspenstigen Zähmung und
Onegin stets vor ausverkauften Häusern gespielt.
Seit Beginn seiner Intendanz führte Reid Anderson die Compagnie auf ausgedehnte Gastspielreisen unter anderem nach New York, San Francisco und in weitere Städte in den USA, nach Peking, Hongkong, Shanghai (China), Seoul (Südkorea), Tokio, Osaka (Japan), Bangkok/Thailand, Kairo/Ägypten und in zahlreiche europäische Städte, darunter Palermo, Turin, Sevilla, Madrid, London, Paris und Neuchâtel sowie Städte in ganz Deutschland.
Darüber hinaus hat Reid Anderson weltweit die Meisterwerke Crankos mit zahlreichen bedeutenden Ballettcompagnien einstudiert, darunter das American Ballet Theatre, das Boston Ballet, das National Ballet of Canada, das Australian Ballet in Melbourne, das Teatro Colón in Buenos Aires, das Chinesische Nationalballett, das Royal Ballet, London, das Ballett der Pariser Oper, das Opernballett der Scala in Mailand, das Römische Opernballett, das Norwegische Nationalballett, das Königlich Schwedische Ballett, das Königlich Dänische Ballett, das Finnische Nationalballett, das Ballett der Wiener Staatsoper, das Staatsballett Berlin und das Hamburg Ballett.
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