Im Jahr 1961 wurde
John Cranko, vom Sadlers Wells Theatre aus London kommend, zum Ballettdirektor und Choreographen des Ballettensembles in Stuttgart ernannt. Cranko schrieb in den folgenden zwölf Jahren nicht nur eines der erfolgreichsten Kapitel der Stuttgarter Ballettgeschichte, sondern eroberte auch einen Platz in der Riege der weltweit bedeutendsten Choreographen. Eine zielstrebige, auf intensive Förderung und persönliche Entfaltung angelegte Repertoire- und Ensemblepolitik sowie die Ausschöpfung seines außergewöhnlichen choreographischen Talents waren die wesentlichen Mittel, mit Hilfe derer er das Stuttgarter Ballett zu Weltruhm führte.
Zu Beginn seiner Direktion versammelte der damals 34-jährige Choreograph junge Tänzerpersönlichkeiten wie Egon Madsen, Richard Cragun, Birgit Keil, Ray Barra und die brasilianische Tänzerin Marcia Haydée um sich. Letztere wurde bald seine Muse und Primaballerina. Am 2. Dezember 1962 präsentierte er mit diesen Tänzern seine erste von Publikum und Kritik gleichermaßen umjubelte Neuschöpfung: Eine neue Version von Prokofievs
Romeo und Julia, die den Auftakt zu seiner großartigen Trias neuer Handlungsballette bildete und im klassischen Tanz bis heute Maßstäbe setzt.