Marco Goecke ist seit September 2005 Hauschoreograph des Stuttgarter Balletts. Seine prägnante und avantgardistische Tanzsprache, das Ausloten und Sprengen der ästhetischen Grenzen sowie die völlig neuen Bewegungen schärfen das moderne Profil der Compagnie und fordern die Tänzer auch technisch heraus. Oft berühren seine Arbeiten auch so manchen für die Reize des klassischen Balletts sonst unempfänglichen Betrachter. Genau diese Gründe bewogen Ballettintendant Reid Anderson dazu, Marco Goecke, dessen Arbeiten schon bald deutschlandweit und international für Aufsehen sorgte, zum Hauschoreographen zu ernennen. In wenigen Jahren hat der gebürtige Wuppertaler in Stuttgart sowie bei namhaften internationalen Compagnien eine beachtliche Anzahl außergewöhnlicher Uraufführungen präsentiert.
Marco Goecke erhielt seine Ausbildung unter anderem an der Ballettakademie Köln, an der Heinz-Bosl-Stiftung München und am Königlichen Konservatorium in Den Haag. Nach seinem Abschluss war er an der Staatsoper Unter den Linden, Berlin, und am Theater Hagen als Tänzer engagiert. Dort schuf er 2000 seine erste Choreographie mit dem Titel Loch, mit der er im selben Jahr am Internationalen Choreographiewettbewerb in Hannover teilnahm.
Eingeladen von Fritz Höver choreographierte er 2001 erstmals für die Reihe „Jungen Choreographen“ der Noverre-Gesellschaft. Auf Chicks folgten Demigods (2002), Blushing (2003) und Ickyucky (2004). 2002 nahm er eine Einladung des New York Choreographic Institute an und schuf im Rahmen des Diamond Project Workshops eine Choreographie für Tänzer des New York City Ballet. Hier wurde der Erste Solist Peter Boal auf Marco Goecke aufmerksam und beauftragte ihn mit der Choreographie eines Solos, das im März 2004 unter dem Titel Mopey uraufgeführt und noch im selben Jahr beim Jacob's Pillow Festival in Becket, Massachusetts, und auf der Tanzbiennale in Venedig gezeigt wurde. Zum 10-jährigen Jubiläum des New York Choreographic Institute im Jahr 2010 entstand For Sasha.
2004 lud Pina Bausch Marco Goecke mit den Arbeiten Blushing und Mopey zu ihrem alljährlichen Tanztheater-Festival ein. Mit Blushing hatte Goecke bereits ein Jahr zuvor einen ersten großen Erfolg gefeiert: Getanzt von acht Tänzerinnen und Tänzern des Stuttgarter Balletts, gewann Blushing 2003 in Hamburg den renommierten Prix Dom Pérignon.
2005 schuf er erstmals eine Auftragsarbeit für das Stuttgarter Ballett: Sweet Sweet Sweet wurde im Februar uraufgeführt und war so erfolgreich, dass es im gleichen Jahr vom Ballett der Staatsoper Hannover ins Repertoire übernommen wurde. 2006 folgte Viciouswishes und seine erste abendfüllende Produktion für das Stuttgarter Ballett: Eine außergewöhnliche und von der Kritik hoch gelobte Neuinterpretation des Ballettklassikers Der Nussknacker, die 2007 für den Deutschen Tanzpreis „Der Faust“ nominiert wurde. Bereits 2006 erhielt Marco Goecke den im Rahmen des Monaco Dance Forums in Monte Carlo verliehenen „Prix Nijinsky“ in der Kategorie „Aufstrebender Choreograph“. Weitere Werke für das Stuttgarter Ballett waren Alben (2008), das Solo Fancy Goods (2009) und das abendfüllende Handlungsballett Orlando, das 2010 mit großen Erfolg uraufgeführt wurde. Für die jährlich stattfindende Benefizveranstaltung „Aktion Weihnachten“ entstand 2011 das Solo in sensu, uraufgeführt von der Ersten Solistin Katja Wünsche.
Ein wahrer Publikumsrenner gelang Marco Goecke mit seinem kraftvollen Solo Äffi zu drei Songs von Johnny Cash. Äffi wurde unter anderem in das Repertoire des Stuttgarter Balletts und des Scapino Ballet Rotterdam übernommen und darüber hinaus unzählige Male bei deutschen und Internationalen Festivals präsentiert.
Eng verbunden ist Marco Goecke dem Scapino Ballet Rotterdam, zu dessen Hauschoreograph er 2005 ernannt wurde. Seitdem hat er für die moderne Compagnie die Uraufführungen Der Rest ist Schweigen (2005), Bravo Charlie (2007), Supernova (2009) und Pierrot Lunaire (2010) geschaffen. Das abendfüllende Ballett Songs for Drella entstand 2011 in Zusammenarbeit mit Ed Wubbe. Außerdem übernahm die Compagnie mehrere seiner Choreographien in ihr Repertoire.
Marco Goeckes avantgardistische Choreographien sind außerdem im Repertoire vieler weiterer renommierter Compagnien zu finden. John Neumeier gab für das Hamburg Ballett Beautiful Freaks in Auftrag, das 2005 im Rahmen der Hamburger Ballett-Tage uraufgeführt und von der Kritik als Meisterwerk gefeiert wurde. Für das Ballett des Staatstheaters Braunschweig choreographierte Goecke zu einem Text von Ingeborg Bachmann das im Mai 2006 uraufgeführte Stück Alles. Weiter entstanden Sonett (2007), Suite Suite Suite (2008) und Le chant du rossignol (2009) für das Leipziger Ballett, Nichts (2008) und Garbo Laughs (2012) für das Nederlands Dans Theater sowie Fur (2009) für das Norwegische Nationalballett. Für Les Ballets de Monte Carlo schuf Marco Goecke Whiteout (2008) und Dearest Earthly Friend (2011). Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Ballets Russes choreographierte er seine ganz eigene Version von Le spectre de la rose (2009) und präsentierte im Rahmen einer Gala zu Ehren der Prinzessin Caroline von Monaco das Solo Tué (2009).