Don Quijote – zusammen mit Don Juan ist er sicher der bekannteste Held der spanischen Literatur. Miguel de Cervantes schrieb den berühmten zweiteiligen Roman El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha (1605 und 1615), der noch immer begeisterte Leser findet und Künstler inspiriert. Vordergründig betrachtet parodiert der Roman die zu Lebzeiten des Autors noch immer so beliebten Ritterromane. Dennoch ist dies nur ein Nebenaspekt, vielmehr ist das zentrale Thema der Konflikt zwischen Ideal und Realität, die Frage nach Wirklichkeit und Traum.
Maximiliano Guerra, der selbst in vielen verschiedenen Don Quijote-Versionen tanzte, greift diese Frage in seiner Ballettfassung des weltberühmten Romans vom Ritter der traurigen Gestalt auf. Er schuf Don Quijote. Der Träumer von La Mancha, seine erste eigene Choreographie, im Jahr 2000 für das Stuttgarter Ballett und steht damit in einer langen Tradition von Choreographen, die sich seit Franz Hilverding (1740 in Wien) mit dieser Romanvorlage beschäftigten. Guerra erzählt allerdings nicht die Geschichte eines tollpatschigen Möchtegern-Ritters oder eines romantischen Träumers, sondern die eines Mannes, der sich aufmacht, um für die Gerechtigkeit zu kämpfen und die wahre Liebe zu suchen.
Die Rahmenhandlung allerdings verwebt Traum und Wirklichkeit: Miguel de Cervantes sitzt schlafend in seiner Bibliothek und erträumt sich die Figur des Don Quijote. Wieder erwacht, erzählt der Schriftsteller seinem Freund Sancho Pansa begeistert von seinem neuen Protagonisten und verkleidet sich währenddessen als Don Quijote. Durch seine enthusiastische Schilderung erwacht die Geschichte zum Leben und Cervantes übernimmt die Rolle seines Helden. Später tritt er aber immer wieder neben die Handlung seiner Erzählung, um sie wohlwollend zu betrachten.
Am Ende des Balletts beginnt Cervantes, den Roman niederzuschreiben.
Das Stuttgarter Ballett eröffnet die Spielzeit 2012/13 mit der Neufassung dieses abendfüllenden Handlungsballetts. Das prächtige, ehemals massive Bühnenbild wurde umgearbeitet, weswegen auch die Choreographie in einigen Teilen verändert werden musste. Man darf sich auf eine farbenfroh ausgestattete Inszenierung der bekannten Romanvorlage freuen, die das Publikum verzaubert und in eine Welt zwischen Realität und Traum entführt.