Onegin gehört mit
Romeo und Julia und
Der Widerspenstigen Zähmung zu der Trilogie der großen abendfüllenden Handlungsballette
John Crankos. Mittlerweile ist dieses Meisterwerk in das Repertoire vieler renommierter Compagnien rund um die Welt eingegangen, darunter das Ballett der Mailänder Scala, das Ballet de l’Opera de Paris, das Royal Ballet London, das American Ballet Theatre in New York. Die Rollen der Tatjana und des Onegin gehören weltweit zu den Traumpartien vieler Balletttänzerinnen und -tänzer.
John Cranko schuf die Choreographie 1965, zwei Jahre später entstand die Neufassung, die bis heute das Publikum in ihren Bann zieht. Alexander Puschkins Versroman Eugen Onegin war vor 1965 noch nie für eine Choreographie verwendet worden, allerdings hatte Peter Tschaikowsky ihn in einer Oper vertont. Die Musik des Balletts stammt jedoch nicht aus dieser Oper, sondern aus zahlreichen, eher unbekannten Werken Tschaikowskys, die von Kurt-Heinz Stolze eingerichtet und instrumentiert wurden.
Legendär sind die virtuosen und dramatischen Pas de deux, die Cranko für die beiden Hauptfiguren schuf. Dem Zuschauer stockt angesichts der tiefen und heftigen Emotionen, der Drehungen, Hebungen und Würfe in dem leidenschaftlichen Spiegel-Pas de deux sowie in dem äußerst tragischen Schluss-Pas de deux der Atem. Im reizvollen Kontrast dazu stehen die folkloristisch gehaltenen Garten- und Festszenen. Auch die Entwicklung, die beide Hauptfiguren
im Laufe der Handlung erfahren, machen den unglaublichen Reiz dieses Werkes aus. Nicht zu vergessen die äußerst stimmige und geschmackvolle Ausstattung von Jürgen Rose.
John Cranko entwickelt die Handlung der berührenden Geschichte so selbstverständlich, dass man den vorliegenden Roman nicht kennen muss. Tatjana, das junge, verträumte Mädchen vom Lande, verliebt sich in den blasierten und arroganten Müßiggänger Onegin aus St. Petersburg, der sie jedoch barsch zurückweist. Stattdessen flirtet er mit Olga, der Schwester Tatjanas. Olgas Verlobter Lenski, ein sensibler Dichter, fordert seinen Freund Onegin angesichts dieser Schmach zum Duell heraus und wird dabei getötet. Erst nach vielen Jahren wird sich Onegin bewusst, dass Tatjana seine große Liebe ist, und er nähert sich ihr erneut. Tatjana hat in der Zwischenzeit allerdings den Fürsten Gremin geheiratet und sich zu einer selbstbewussten und starken Frau entwickelt. Onegin versucht, sie für sich zu gewinnen, aber sie weist ihn zurück, obwohl auch sie ihn noch immer liebt.