Auf Einladung des Bolschoi Theaters kehrt das Stuttgarter Ballett nach fast 30 Jahren nach Russland zurück. Präsentiert werden John Crankos Romeo und Julia sowie ein Ballettabend mit vorwiegend modernen Stücken, die für das Stuttgarter Ballett kreiert worden sind.
1. / 2. Mai 2013
Romeo und Julia (John Cranko), Bolschoi Theater, Moskau
4. / 5. Mai 2013
Ballettabend, Bolschoi Theater, Moskau
ÜBER JOHN CRANKOS "ROMEO UND JULIA"
Am 2. Dezember 1962 wurde im Stuttgarter Opernhaus ein Ballett uraufgeführt, das den Beginn einer Ära beim Stuttgarter Ballett markieren und darüber hinaus zu einem der beliebtesten Stücke im Ballettrepertoire überhaupt werden sollte: John Crankos Romeo und Julia.
Das Stück, mit dem der Stuttgarter Ballett-Gründer John Cranko 1962 die Herzen seiner neuen Heimat Stuttgart und die der internationalen Ballettwelt im Sturm eroberte, ist inzwischen mit der Compagnie um die ganze Welt gereist und zu einem Signaturwerk der Compagnie geworden.
Dass der junge John Cranko, kurz nach seinem Dienstantritt als Stuttgarter Ballettdirektor 1961, sich gleich in seinem ersten Jahr an den dramatischen Shakespeare’schen Stoff heranwagte, den so viele große Künstler vor und nach ihm für die Bühne bearbeitet haben, mag damals viele Skeptiker auf den Plan gerufen haben. Doch sein Romeo und Julia fegte quasi über Nacht alle Zweifel an dem Stuttgarter Neuling vom Tisch und stellte auch die Ballettcompagnie in ein völlig neues Licht. Diese frühe Arbeit trägt viele Merkmale, für die Crankos Handlungsballette noch heute weltberühmt sind: Lebendige und ausgestaltete Charaktere, atemberaubende Pas de deux, ausgefeilte Corps de ballet-Szenen, seine verständliche und tiefgehende Art, eine Geschichte zu erzählen, seine große Musikalität und der Mut, sich komplexen literarischen Vorlagen zu nähern. Hier kommt auch sein tiefes Verständnis für die Werke William Shakespeares und dessen Gratwanderungen zwischen Tragik und Komik, zwischen Ernst und Unterhaltung, zum Tragen. Zudem legte Romeo und Julia den Grundstein für die lebenslange und überaus erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Bühnen- und Kostümbildner Jürgen Rose, der mit der zweistöckigen Bühnenstruktur und den farbenfrohen Kostümen und Dekors die italienischen Landschaften, Straßen und Häuser ins Stuttgarter Opernhaus holte. Die Erneuerung des Genres Handlungsballett durch den Choreographen John Cranko begann mit diesem Werk.
Auch 1998, nachdem viele weitere Inszenierungen entstanden waren, nannte die renommierte New York Times-Kritikerin Anna Kisselgoff Crankos Romeo und Julia noch „simply the best“.
Von seiner Faszination hat dieses Ballett über die Jahre kein Quäntchen eingebüßt. Nach über 600 Vorstellungen allein beim Stuttgarter Ballett ist Romeo und Julia lebendig und mitreißend wie eh und je. Die jungen Tänzerinnen und Tänzer widmen sich den technisch und schauspielerisch höchst anspruchsvollen Rollen mit uneingeschränktem Enthusiasmus. Crankos Deutung des Shakespeare-Stoffes bietet jedem Tänzer die Möglichkeit, seine Rolle individuell zu interpretieren, und so ist die Inszenierung auch heute kein bisschen angestaubt. Die Aufbruchstimmung fließt – auch 50 Jahre nach der Stuttgarter Uraufführung – bei jeder Vorstellung noch spürbar durch die Adern der Tänzer.