Selma, Fabrikarbeiterin und alleinerziehende Mutter, leidet an einer unheilbaren Krankheit: einer unerbittlich voranschreitenden Erblindung. Und nicht nur das – auch ihr Sohn Gene wird unweigerlich blind werden, wenn es Selma nicht gelingt, das nötige Geld für eine Operation aufzutreiben.
Diesem Ziel ordnet Selma ihr ganzes Leben unter: Sie schuftet bis zur Selbstaufgabe, spart jeden Cent und träumt sich, wenn alles über ihr zusammenzubrechen droht, in die rosarote Welt der Musicals, in denen „nie etwas Schreckliches geschieht“. Das ist ihr Trost.
Bis der Polizist Bill sie in seine Nöte einweiht: Bill braucht Geld, weil er den Lebensstil seiner Frau nicht mehr bezahlen kann. Selmas Ersparnisse kämen ihm da gerade recht. Aber Selma ist nicht bereit, Genes Zukunft aufs Spiel zu setzen. Sie ahnt dabei nicht, welchen Preis sie für ihre Konsequenz zahlen muss. Lars von Triers vielfach preisgekrönter Film wird in Stuttgart in einer ungewöhnlichen Version zu sehen sein. TänzerInnen des Stuttgarter Balletts und SchauspielerInnen des Schauspiel Stuttgart tanzen und spielen gemeinsam Selmas bewegende Geschichte von Hingabe und Opferbereitschaft.
Der Schauspielregisseur Christian Brey, überaus erfolgreich vor allem mit seinen komödiantischen Arbeiten, der Choreograph Marco Goecke, der für seine bahnbrechenden Ballette national wie international bekannt ist, und sein junger Kollege Louis Stiens, der schon sehr früh mit mutigen und außergewöhnlichen Choreographien von sich reden machte, werden ihre eigene Version der tragischen Geschichte von Selma erzählen, die sich durch Treue, Hingabe und Güte in eine ausweglose Situation hineinmanövriert.
Hauschoreograph Marco Goecke hatte sich aus gesundheitlichen Gründen von der Koproduktion zurück ziehen müssen, nachdem das künstlerische Konzept und erstes Schrittmaterial fertig gestellt war. Seine choreographische Arbeit wird von dem Tänzer und Choreographen Louis Stiens weiter geführt.
Diese Produktion wird unterstützt durch
Christian Brey, Christian Brey, geboren in Geldern am Niederrhein, absolvierte ein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Von 1997 bis 2011 war er Ensemblemitglied am Schauspiel Stuttgart. Er arbeitete u.a. mit den Regisseuren Martin Kušej (z.B. als Robin in Sarah Kanes Gesäubert), Stephan Kimmig (z.B. in Moritz Rinkes Der Mann, der keiner Frau Blöße entdeckte), Hasko Weber (in Horváths Die Bergbahn), Marc von Henning sowie in allen Stuttgarter Inszenierungen von René Pollesch. Dem Stuttgarter Publikum ist er auch als Regisseur längst kein Unbekannter mehr. Seine Inszenierungen von Lars von Triers Der Boss vom Ganzen, Alan Ayckbourns Ab jetzt, Elvis lebt.Und Schmidt kann es beweisen und das Hamlet-Musical Der Prinz von Dänemark von und mit Harald Schmidt sowie Soeren Voimas Volpone und zuletzt Nicky Silvers Die Altruisten liefen mit großem Erfolg in den letzten Jahren. An der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf führte er gemeinsam mit Harald Schmidt Regie bei Franz Lehárs Die lustige Witwe.
2010 inszenierte er Der nackte Wahnsinn vom Michael Frayn am Theater Chemnitz. Im Juni 2012 erarbeitete er dort Harold und Maude. Im November 2012 wird seine Inszenierung von Der Vorname oder Zu Gast bei guten Freunden von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg Premiere haben.
Marco Goecke, geboren in Wuppertal, ist seit September 2005 Hauschoreograph des Stuttgarter Balletts. Seine prägnante und avantgardistische Tanzsprache, das Ausloten und Sprengen der ästhetischen Grenzen sowie die völlig neuen Bewegungen schärfen das moderne Profil der Compagnie und fordern die Tänzer auch technisch heraus.
Marco Goecke erhielt seine Ausbildung unter anderem an der Ballettakademie Köln, an der Heinz-Bosl-Stiftung München und am Königlichen Konservatorium in Den Haag. Nach seinem Abschluss war er an der Staatsoper Unter den Linden, Berlin, und am Theater Hagen als Tänzer engagiert. 2001 choreographierte er erstmals für die Reihe „Junge Choreographen“ der Noverre-Gesellschaft in Stuttgart; 2005 ernannte ihn Ballettintendant Reid Anderson zum Hauschoreographen des Stuttgarter Balletts, wo er bis heute acht Stücke kreiert hat, darunter zwei bahnbrechende,
abendfüllende Werke: Der Nussknacker und Orlando. Seit 2005 ist er ebenfalls Hauschoreograph des Scapino Ballet in Rotterdam; darüber hinaus hat er Stücke für u.a. Les Ballets de Monte Carlo, das Nederlands Dans Theater, das Leipziger Ballett und das Pacific Northwest Ballet kreiert.
Louis Stiens wurde in München geboren und wuchs dort auch auf. Im Jahr 1997 begann er seine Tanzausbildung an der Heinz-Bosl Stiftung in seiner Heimatstadt. Im Jahr 2009 wechselte er an die John Cranko Schule in Stuttgart, wo er im Jahr 2011 seine Ausbildung abschloss.
Sein erstes Engagement erhielt er in der Spielzeit 2011/12 als Eleve beim Stuttgarter Ballett, eine Spielzeit später wurde er ins Corps de ballet übernommen. Seine erste Solorolle beim Stuttgarter Ballett tanzte er bereits während seiner Zeit als Eleve: Er trat als Bootface in John Crankos The Lady and the Fool auf.
Neben seiner Arbeit als Tänzer schuf Louis Stiens auch eine Reihe eigene Choreographien. Der Pas de deux Ohne Titel entstand im Rahmen eines Workshops bei der Heinz-Bosl Stiftung. Die Soli Mäuse (2010) und Still Light (2011) schuf er für seinen Mitstudenten Robert Robinson. Jesus Home, die zweite Choreographie, die im Rahmen der Veranstaltung „Junge Choreographen“ der Noverre-Gesellschaft entstand, wurde im Juli 2011 von fünf Tänzern uraufgeführt. Ein Jahr später folgte mit Christoph die dritte Choreographie bei der Noverre-Gesellschaft. Für Mäuse gewann der junge Choreograph im Jahr 2011 den 1. Preis des beo-Wettbewerbs für Berufsschulen. Anlässlich des Porsche Tennis Grand Prix 2012 wurde Louis Stiens’ eigens dafür geschaffene Choreographie Sit back am Tag des Finales in der Schleyerhalle uraufgeführt.