„Un amant qui craint les voleurs, n'est point digne d'amour."
(Ein Liebhaber, der Diebe fürchtet, ist der Liebe nicht würdig.)
Dieser Satz ist das Motto des mysteriösen Fräuleins von S., der Titelheldin in
Christian Spucks neuem Ballett.
Es ist ein seltener Fall, dass ein Ballett mit einer über siebzigjährigen Titelheldin aufwartet: Mit Madeleine de Scudéry stellt Christian Spuck eine gefeierte Dichterin am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in den Mittelpunkt seiner neuen Choreographie. Sechs Jahre nach seinem für das Stuttgarter Ballett entstandenen
Sandmann widmet er sich damit erneut einer literarischen Vorlage von E.T.A. Hoffmann. In seinen Werken fasziniert Hoffmann seine Leser immer wieder mit der Verbindung von außerordentlichem Wirklichkeitssinn und ausschweifender romantischer Phantasie, der das Lächerlich-Groteske ebenso vertraut ist wie das Unheimlich-Gespensterhafte.
Hoffmanns 1819 erschienene Novelle
Das Fräulein von Scuderi gilt als eine der frühesten deutschen Kriminalgeschichten. Im Zentrum der zur Regierungszeit Ludwigs XIV. in Paris spielenden Handlung stehen die Morde des als unbescholten geltenden Goldschmieds Cardillac, der von seiner Liebe zur Kunst besessen ist. Unfähig, sich von ihnen zu trennen, steht er unter dem Zwang, die Käufer der von ihm gefertigten Schmuckstücke zu töten, um so wieder in ihren Besitz zu gelangen. Als Cardillac selbst ermordet wird und man seinen Gehilfen Olivier der Tat verdächtigt, ist es das am Königshof in hohem Ansehen stehende Fräulein von Scuderi, das ihn vor der Todesstrafe bewahrt. E.T.A. Hoffmann beschreibt die greise Dichterin als lebenserfahrene und vorurteilsfreie Frau, die mit Herz und Verstand den verzwickten Mordfall an dem Goldschmied Cardillac löst.
In seiner neuen Choreographie wirft Christian Spuck einen kaleidoskopischen Blick auf die spannende Kriminalgeschichte und setzt ihre Elemente spielerisch neu zusammen.
Seit 1998 choreographiert Christian Spuck für das Stuttgarter Ballett; 2001 wurde er zum Hauschoreographen ernannt und prägte mit über elf kurzen Balletten, zwei Handlungsballetten und Koproduktionen mit dem Schauspiel Stuttgart, der Jungen Oper sowie der Staatsoper Stuttgart das Repertoire des Stuttgarter Balletts in der letzten Dekade maßgeblich. Seine Einakter zeichnen sich nicht nur durch eine hohe Musikalität und eine reiche Bewegungssprache aus, sondern auch durch eine trotz aller Abstraktion ergreifende Emotionalität und Sinnlichkeit; seine großen Stuttgarter Handlungsballette
Lulu. Eine Monstretragödie und
Der Sandmann sind ebenso choreographische, optische und akustische wie dramaturgische Gesamtkunstwerke.
Das Fräulein von S. wird Christian Spuck letztes Stück für das Stuttgarter Ballett als Hauschoreograph sein: Mit Beginn der Spielzeit 2012/2013 übernimmt er die Leitung des Zürcher Balletts. Mit einer festlichen Gala im Opernhaus am 7. Juli 2012 verabschiedet das Stuttgarter Ballett einen seiner erfolgreichsten und beliebtesten Choreographen, der nun – wie viele andere vor ihm – seine Stuttgarter Lehrjahre an einem anderen Ort in bewegende Kunst umsetzen wird.
Ganz besonderen Glanz verleiht der Produktion ein weltbekannter Kristallhersteller: Swarovski stellt für Das Fräulein von S. wertvolle Kristalle zur Verfügung, welche nach Entwürfen der Kostümbildnerin Emma Ryott im Kunstgewerblichen Atelier der Staatstheater Stuttgart verarbeitet wurden. Die SWAROVSKI ELEMENTS setzen der opulenten Ausstattung des Ballettes gewissermaßen die Krone auf, kreist die Geschichte doch um die kunstvollen Werke des Pariser Golschmieds René Cardillac. Neben einem Collier für die Figur der Madeleine de Scuderi werden vier "Juwelen-Tutus" mit Swarovski-Kristallen bestückt, die schimmern und glänzen wie echte Diamanten, Rubine, Smaragde und Saphire.