Mit einem starken Bekenntnis zum zeitgenössischen Tanz kehrt das Stuttgarter Ballett in das wiedereröffnete Schauspielhaus zurück. Für den Ballettabend Körpersprache³ hat Ballettintendant Reid Anderson die international renommierten Choreographen Marco Goecke, Mauro Bigonzetti und Edward Clug mit neuen Stücken für die Compagnie beauftragt, und so präsentiert dieser Ballettabend gleich drei Uraufführungen hintereinander!
Mit großer Spannung wird die neue Arbeit des Stuttgarter Hauschoreographen Marco Goecke erwartet, der zuletzt mit neuen Balletten für das Nederlands Dans Theater und die Ballets de Monte Carlo von sich Reden machte – nun kreiert er wieder für die eigene Compagnie. Goecke, seit 2005 Hauschoreograph des Stuttgarter Balletts, ist einer der originellsten deutschen Choreographen der Gegenwart. In Stuttgart hatte er 2010 mit seinem abendfüllenden Ballett Orlando die nationale und internationale Presse ebenso wie das Publikum zu Begeisterungsstürmen hingerissen: Von vielen als wegweisendste und bahnbrechendste Uraufführung seit Jahren gefeiert, ging Marco Goeckes Version der Virginia Wolf-Vorlage völlig neue Wege, nicht nur in der Tanzsprache, sondern auch in der Inszenierung, Musik, Beleuchtung und Ausstattung. Die Tänzerinnen und Tänzer des Stuttgarter Balletts genießen es, aufs Neue mit dem ebenso vertrauten wie inspirierenden Künstler zu arbeiten. Mit einprägsamen Bildern – mal Angst einflößend und skurril, mal zärtlich oder humorvoll – schafft Goecke ein einzigartiges, unvergessliches optisches Universum, und garantiert somit auch bei dieser neuen Uraufführung für völlig neue Eindrücke.
Dem neuen Goecke-Ballett stellt der Ballettabend Körpersprache³ weitere Uraufführungen zweier Choreographen an die Seite, die sich durch einen genau so kreativen und jeweils ganz eigenen Umgang mit dem Tänzerkörper auszeichnen.
Der italienische Choreograph Mauro Bigonzetti ist der Bildhauer unter den Choreographen: Seine Choreographien erforschen den menschlichen Körper auf eine Weise, die – trotz Momenten der Groteske oder Brutalität – nie die umwerfende Schönheit seines Objektes aus den Augen verliert. 1996 erhielt Bigonzetti von Reid Anderson seinen ersten Choreographie-Auftrag in Deutschland und schuf Kazimir’s Colours für das Stuttgarter Ballett. Nach Orma und Quattro Danze per Nino kreierte er in Stuttgart 2006 auch das abendfüllende Ballett I fratelli – Die Brüder. Nach sechs langen Jahren freut man sich hier nun sehr auf ein weiteres Original des italienischen Künstlers, den eine ganz besondere künstlerische Beziehung an das Stuttgarter Ballett bindet.
Der slowenische Choreograph Edward Clug, geboren in Rumänien, leitet seit 2003 das Ballettensemble des Slowenischen Nationaltheaters Maribor nach einer erfolgreichen Karriere als Tänzer an eben diesem Theater. Seine erste Uraufführung für das Stuttgarter Ballett, Pocket Concerto (2009), erwies sich als kleines Juwel, ein Versteckspiel für fünf Tänzer. Auf eine neue Arbeit des experimentierfreudigen Rumänen darf man also höchst gespannt sein!
Die Neukreationen setzen eine lange Geschichte bedeutender Uraufführungen im Schauspielhaus fort, einer Spielstätte, die dem Stuttgarter Ballett sehr am Herzen liegt: Für die Bühne des Schauspielhauses schufen viele renommierte Choreographen neue Stücke, darunter etwa Uwe Scholz (stabat mater und air), Jiří Kylián (Blaue Haut) oder auch John Neumeier (Endstation Sehnsucht).