Ein Abend über die Wahrhaftigkeit der Liebe und über die Liebe zum Ballett, mit Werken von den beiden weltberühmten Choreographen John Cranko und Maurice Béjart, ist ab April 2012 im Stuttgarter Opernhaus zu sehen.
THE LADY AND THE FOOL
John Crankos 1954 entstandenes Ballett The Lady and the Fool schildert den Widerspruch zwischen dem Gesicht, das ein Mensch nach außen trägt, und seinem privaten, innersten Ich. Gleichzeitig wirft es Fragen an eine Gesellschaft auf, deren Mitglieder um jeden Preis die innere Leere zu überspielen versuchen. Die Lady, „La Capricciosa“ genannt, ist eine von der höheren Gesellschaft gefeierte Schönheit, umworben von reichen und einflussreichen Männern. Jedoch innerlich tief unglücklich, verbirgt sie ihr Gesicht hinter einer Maske. Erst die Begegnung mit einem armen, aber glücklichen und vom einfachen Leben erfüllten Clown und seinem treuen Freund zeigt ihr, wo ihr Weg zum Glück liegt. Crankos technisch anspruchsvolle und gleichzeitig überaus berührende Choreographie und die herzergreifenden Pas de deux, die grandiose Musik Giuseppe Verdis – arrangiert von dem Dirigenten Charles Mackerras – zusammen mit Astrid Behrens’ prachtvollen Kostümen machen The Lady and the Fool bis heute zu einem Genuss.
GAÎTÉ PARISIENNE
Ein Postulat für die Liebe zum Tanz ist Maurice Béjarts 1978 entstandenes Ballett Gaîté Parisienne. Mit diesem Werk arbeitete der 2007 verstorbene Choreograph seine prägenden Jahre bei der Pariser Ballettlehrerin Madame Rousanne auf: Der junge Bim kommt nach Paris, um Tänzer zu werden. Seine Ballettlehrerin, die Madame, verehrt und tyrannisiert ihn zugleich, und so sucht Bim in seiner von fiktiven Tänzerinnen und Tänzern bevölkerten Traumwelt Trost. Als revueartig inszeniertes Geschehen erweckt er die Stadt Paris und historische Persönlichkeiten vor seinem inneren Auge zum Leben: Husaren, Pariser Bürger, Cancan-Tänzerinnen tanzen ebenso durch die traumhaften Sequenzen wie Ludwig II., Napoléon oder der Begründer des Operettengenres Jacques Offenbach, dessen beschwingte Melodien den Rahmen für diesen bunten Bilderreigen bieten.
Die beschwingte Ballettmusik, die Manuel Rosenthal in den 1930er Jahren nach populären Melodien Jacques Offenbachs schuf, wurde zu einer der berühmtesten und meist eingespielten ihrer Zeit. Ursprünglich für Léonide Massines Gaîté Parisienne-Choreographie für die Ballets Russes de Monte Carlo entstanden, griff auch Maurice Béjart in seiner späteren Version darauf zurück.