Sanierung des Opernhauses

Fragen und Antworten

Sanierung des Opernhauses

Fragen und Antworten
Sehr geehrtes Publikum,

vermutlich haben Sie es mitbekommen: Die dringend nötige Sanierung des Opernhauses ist derzeit in aller Munde. Doch was steckt eigentlich hinter diesen Maßnahmen? Warum sind sie überhaupt erforderlich? Wie kommt die Kostenberechnung zustande? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten hier für Sie zusammengestellt!
Warum muss das Opernhaus saniert werden, es sieht doch noch gut aus?
Das gilt nur für den ersten, oberflächlichen Blick. Die letzte Sanierung war im Wesentlichen eine Rekonstruktion des Zuschauerraums nach den Originalplänen von Max Littmann und liegt inzwischen 35 Jahre zurück. Auch die Technik stammt aus den 1980er-Jahren. Heute geht es daher vor allem um die Arbeitsplätze und die veraltete Bühnen- und Haustechnik. Die Arbeitssituation für viele der 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würde heute nicht neu genehmigt werden, insbesondere die Arbeitsplätze in den Werkstätten sowie im Bühnen- und Orchesterbereich. Der Betrieb wird nur noch mit Blick auf eine anstehende Sanierung geduldet. Wird nicht saniert, droht eine Betriebsschließung. An einer Sanierung führt also kein Weg vorbei.
Wie wurde der Sanierungsbedarf ermittelt?
Im Jahr 2014 legte das Büro Kunkel Consulting International ein Gutachten vor, in dem der gesamte Sanierungsbedarf erstmals ausführlich ermittelt wurde. Das Gutachten der Theaterexperten wurde von den Fachleuten des Landes intensiv geprüft. Eines der Ergebnisse: Um gesetzliche Bestimmungen zur Arbeitssicherheit, Energieeinsparung und Gebäudetechnik zu erfüllen, braucht es neben einer modernisierten Bühne zusätzliche Flächen von rund 10.000 Quadratmetern. Dieser Flächenmehrbedarf wurde in einem weiteren Gutachten gründlich überprüft und bestätigt. Fazit: Die Württembergischen Staatstheater brauchen diese Flächen für ihren erfolgreichen Betrieb.
Wie kommt die Kostenberechnung zustande?
Die Kostenberechnung teilt sich auf in drei Bestandteile:
a)    das Opernhaus mit einer modernen Bühnentechnik    
       260 Millionen Euro
b)    den Neubau des Kulissengebäudes                          
       200 Millionen Euro
c)    die Umstrukturierung und Öffnung bestehender Gebäude mit zusätzlichem Raum für künstlerische Vermittlungsarbeit, Programme für den Tagesbetrieb, neue künstlerische Formate und angemessene Gastronomie
       90 Millionen Euro

Das sind zusammen rund 550 Millionen Euro auf Basis heutiger Baupreise.
Warum sprechen viele bei den ermittelten Kosten dann von rund 1 Milliarde Euro?
Dem Land ist es wichtig, mit realistischen Annahmen und einer gründlichen Planung an so ein großes Projekt wie die Sanierung und Erweiterung der Württembergischen Staatstheater heranzugehen. Die Sanierung und Erweiterung und damit auch die Finanzierung erstrecken sich über rund zehn Jahre. Die Kosten für Arbeit und Baumaterial erhöhen sich jedes Jahr, wie andere Preise auch. Wie stark sie steigen, zeigt der Baukostenindex.

Die Planungen stehen am Anfang, es gibt eine Machbarkeitsstudie, aber noch keinen konkreten Entwurf. Wie beispielsweise das sogenannte Kulissengebäude mit den Werkstätten später aussehen wird, weiß noch niemand. Unabhängig von einem konkreten Entwurf bestehen bei der Logistik auf der Baustelle, im Untergrund oder beim Denkmalschutz, Planungs- und somit Kostenrisiken. Deshalb haben die Fachleute des Landes kalkuliert, was bei einem so großen und komplexen Projekt noch an Unwägbarkeiten kommen kann und entsprechend vorgesorgt. Das sind 165 Millionen Euro zusätzlich zu den errechneten 550 Millionen Euro. Weil die Kosten für Bauarbeiten in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter steigen werden, müssen über eine Laufzeit von rund zehn Jahren rund 243 Millionen Euro alleine dafür eingeplant werden. Das macht dann rund 960 Millionen Euro, wenn die Planung 2020 fortgeführt wird. Die Kosten teilen sich das Land und die Stadt. Jedes Jahr Warten, in dem nicht mit der Sanierung begonnen wird, kostet auf Basis der Machbarkeitsstudie rund 30 Millionen Euro zusätzlich.

Die kalkulierte Gesamtsumme entspricht vergleichbaren Projekten ähnlicher Größenordnung in Deutschland und in anderen Ländern, die teilweise bereits laufen. Geringere Kalkulationen zu Beginn hatten sich als nicht belastbar genug erwiesen. Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt hat dazu eine aufschlussreiche Vergleichsstudie und -dokumentation erstellt: http://govt.dam-online.net/


Damit der Betrieb auch während der Bauzeit möglich ist, braucht es für die Aufführungen von Oper und Ballett und die 1.400 Arbeitsplätze eine Übergangslösung – eine Interimsoper. Deren Kosten von 85,4 Millionen Euro (die sich Land und Stadt je zur Hälfte teilen) kämen dazu. Außerdem errichtet die Stadt für 84,1 Millionen Euro zwei Gebäude, die nach Nutzung für die Interimsoper dauerhaft erhalten und genutzt werden.
Wann müssten Land und Stadt die Summe zahlen?
Die Kosten fallen nicht auf einen Schlag an, sondern verteilen sich auf viele Jahre. Die Dauer von zehn Jahren bedeutet, dass im jährlichen Durchschnitt mit unter 100 Millionen Euro kalkuliert werden kann. Da das Land Baden-Württemberg und die Landeshauptstadt Stuttgart sich als Träger der Staatstheater Stuttgart die Kosten teilen, läge der Durchschnitt jeweils bei unter 50 Millionen Euro.
Warum gibt es keine günstigere Lösung?
Grundlage für das Umsetzungskonzept und die Grobkostenplanung sind die Anforderungen der Württembergischen Staatstheater an Flächen und technische Ausstattung. Das ist die Grundlage für einen modernen und künstlerisch wertvollen Spielbetrieb. Die Stuttgarter Oper und das Ballett haben Weltrang, sie sind international von herausragender kultureller Bedeutung. Mit der Sanierung und Erweiterung soll dieses Aushängeschild Baden-Württembergs weiterhin arbeits- und konkurrenzfähig bleiben.

Die im Raum stehende Summe ist nicht auf dem Papier künstlich günstiger gerechnet worden im Wissen, dass diese Summe später nicht mehr zu halten sein wird. Vergleichbare Projekte in anderen Städten zeigen, dass sie sich in einer ähnlichen Größenordnung bewegen – auch wenn sie im Vorfeld günstiger schienen.

Bei den Städtischen Bühnen Köln, einem Zweispartenhaus (Oper und Schauspiel) mit rund 700 Beschäftigten waren die reinen Baukosten anfangs mit 253 Millionen Euro veranschlagt. Diese werden sich jüngsten Berechnungen zufolge auf 841 Millionen Euro summieren.

Die Städtischen Bühnen Frankfurt, ebenfalls ein Zweispartenhaus mit 1.110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Die Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz in Frankfurt wollten zunächst neu bauen, haben sich aber auch für Sanierung im Bestand entschieden, da dies die günstigere Lösung ist. Die reinen Baukosten werden jetzt auf 600 Millionen Euro beziffert. Hinzu kämen für ein Logistikzentrum mit Werkstätten, Lager und Fundus weitere 70 Millionen Euro. Noch nicht eingerechnet sind allerdings die Kosten für eine Interimslösung für das Schauspiel Frankfurt während der Bauarbeiten.

Der Vergleich mit diesen Häusern ist angemessen: Die Württembergischen Staatstheater Stuttgart sind mit 1.400 Beschäftigten das größte Drei-Sparten-Theater weltweit (Oper, Ballett, Schauspiel).

Die Staatliche Vermögens- und Hochbauverwaltung prüft während jedes Bauprojektes fortlaufend, wie sich Einsparungen realisieren lassen. Dazu gehört bei der Sanierung und Erweiterung der Staatstheater die Frage, ob durch eine dauerhafte Verlagerung eines Teils der Flächen etwas günstiger gebaut werden kann.
Sollte man auf die Kreuzbühne verzichten?
Für den Einbau der Kreuzbühne wird eine Kostenspanne von 20 bis 26 Millionen Euro auf Basis heutiger Preise veranschlagt, beziehungsweise – wieder einschließlich der absehbar steigenden Baupreise – 27 bis 35 Millionen Euro. Da die Bühnentechnik sowieso ausgetauscht werden muss, spielt sie in dieser Kostenspanne keine Rolle.

Kreuzbühnen sind heute absoluter Standard in modernen Opernhäusern. Hinzu kommt: Mit einer Kreuzbühne im Littmann-Bau könnten die Kulissen schneller gewechselt werden – damit wären mehr Aufführungen für das Stuttgarter Ballett möglich. Die Nachfrage nach Karten für das Ballett kann aktuell bei weitem nicht befriedigt werden, Besucherinnen und Besucher müssen oftmals abgewiesen werden.
Was würde passieren, wenn man nichts täte?
Der Spielbetrieb im historischen Littmann-Bau wäre nur noch wenige Jahre aufrechtzuerhalten. Es könnte aus Gründen des Arbeitsschutzes oder des Brandschutzes sogar eine kurzfristige Schließung drohen.
Warum baut man kein neues Opernhaus? Wäre das nicht günstiger zu haben?
Diese Fragen sind von den Trägern, der Bauverwaltung und den Württembergischen Staatstheatern intensiv diskutiert worden. In einem mehrjährigen Prozess im Verwaltungsrat der Staatstheater hat sich das Gremium für eine Sanierung und Erweiterung des Opernhauses entschieden, unter anderem auch weil ein Neubau teurer wäre.

Das historische Opernhaus im Herzen der Stadt muss auch bei einem Neubau erhalten werden, um dort weiterhin Ballettaufführungen zeigen zu können. Auch dafür müsste umfassend saniert werden, was erhebliche Kosten von mehreren hundert Millionen Euro verursachen würde. Der überwiegende Teil ergibt sich aus gesetzlichen Auflagen.
Um die Kosten besser einordnen zu können, hat die Landeshauptstadt einen fiktiven Neubau berechnet. Dieser könnte realistisch beispielsweise auf dem S21-Gelände hinter dem neuen Bahnhof errichtet werden. Mit einem Baubeginn wäre erst nach Inbetriebnahme des neuen Hauptbahnhofs und dem Rückbau des Gleisvorfelds zu rechnen – also etwa ab 2028.

Aus den bekannten Kosten von Opernhausprojekten in Kopenhagen, Oslo und Linz wurde ein Mittelwert errechnet, erweitert um die zu erwartenden Baukostensteigerungen für die Bauzeit von 2029 bis 2034. Dieser Mittelwert für einen Opernneubau beträgt 642 Millionen Euro.

Nachdem dieser Neubau errichtet ist und Oper, Ballett und die Produktionsstätten umgezogen sind, könnte erst mit der Sanierung des Littmann-Baus und dem Umbau des Kulissengebäudes begonnen werden. Auf eine Kreuzbühne könnte verzichtet werden, da im Littmann-Bau dann nur noch Ballett-Aufführungen vorgesehen sein würden. Die Sanierungskosten reduzieren sich daher auf Basis heutiger Preise um 20 bis 26 Millionen Euro. Auch könnte auf einen geringen Teil der Bühnentechnik verzichtet werden. Das Kulissengebäude müsste nicht abgebrochen und neu und größer errichtet, sondern könnte reduziert saniert werden. Ebenso wären die Anpassungen in Hof 3 zum Eckensee hin weniger aufwändig.

Auch hier müssen mögliche Risiken und absehbare Baukostensteigerungen eingerechnet werden.

In der Summe dieser Teilprojekte ist mit Kosten von 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro zu rechnen. Darin enthalten sind nicht die zusätzlichen Kosten für den fortwährenden Unterhalt einer zweiten Spielstätte, die Land und Stadt dann ebenfalls zu tragen hätten.
Was spricht gegen die Idee, ein neues Konzerthaus zu bauen und dies zunächst als Ausweichspielstätte für die Oper zu nutzen, während der Littmann-Bau saniert wird?
Auch wenn in beiden Häusern Musik gespielt wird, so haben ein Opernhaus und ein Konzerthaus vollkommen unterschiedliche Anforderungen an die Architektur und die Akustik. Eine Ausweichspielstätte für Oper und Ballett benötigt einen Bühnenturm und Orchestergraben. Ein Konzerthaus benötigt dies nicht. Im Gegenteil würde ein Bühnenturm die Konzertakustik zunichtemachen. Die Stadt hat diese Frage begutachten lassen. Der Gutachter kommt zu dem eindeutigen Schluss, dass weder für die Oper noch für das Konzerthaus aus einem solchen Mischgebäude eine gute Lösung entstehen würde.
Wo soll also der Spielbetrieb während der Sanierung stattfinden?
Bei den Wagenhallen. Die Landeshauptstadt Stuttgart hat auf Grundlage des Wettbewerbsergebnisses Rosenstein eine Neukonzeption für ein Opernhausinterim auf dem C1-Areal an den Wagenhallen erarbeitet. Dabei werden mehr als die Hälfte der entstehenden Gebäude dauerhaft nachgenutzt, indem sie nach dem Operninterim für die „Maker City“ im künftigen Rosenstein-Quartier als Büros, Werk- und Kulturstätten und auch Wohnungen zur Verfügung stehen werden. Der Rest, besonders die Spielstätte, wird in Modulbauweise erstellt und kann danach verkauft werden. Da viele Opernhäuser weltweit saniert werden müssen, gibt es für diese Module einen Markt. Das Kulturschutzgebiet mit der Container City und dem Stadtacker bei den Wagenhallen bleibt erhalten. Das ist auch den Staatstheatern stets ein Anliegen gewesen. Nicht zuletzt ist dieser Standort bestens an Bus und Bahn angebunden.
Warum braucht man überhaupt eine Ausweichspielstätte?
Während das Opernhaus saniert und erweitert wird, kann dort nicht gespielt, gesungen, musiziert und getanzt werden. Um auch während der Bauzeit die künstlerische Exzellenz von Oper und Ballett zu erhalten und den Stuttgarter Bürgerinnen und Bürgern wie auch den vielen Besuchern aus nah und fern ein vielfältiges Programm anbieten zu können, benötigt man eine temporäre Ersatzbühne.
Wann könnte es mit den Bauarbeiten losgehen?
Zunächst müssten der Gemeinderat der Landeshauptstadt Stuttgart und der Landtag von Baden-Württemberg den Plänen grundsätzlich zustimmen und Geld für einen Architekturwettbewerb und die darauf aufbauende Planung bereitstellen. Darüber soll im Frühjahr 2020 entschieden werden. Wenn es Mehrheiten für das Projekt gibt, können der Wettbewerb und danach die öffentliche Ausschreibung für die Interimsspielstätte an den Wagenhallen mit den zur Nachnutzung bestimmten Funktionsgebäuden folgen. Für die Sanierung und Erweiterung der Württembergischen Staatstheater am Hauptstandort muss ein Wettbewerb vorbereitet und durchgeführt werden. Voraussichtlich 2025 könnte dann der Umzug in die Ausweichspielstätte beginnen.
Um wie viel Meter muss die Fassade des Littmann-Baus für die Kreuzbühne versetzt werden?
Für den Einbau einer Kreuzbühne müsste der Littmann-Bau an einer Seite um etwa 2,50 Meter verbreitert werden. Ohne eine Kreuzbühne ist ein Wechsel von Auftritten der Sparten Oper und Ballett und zwischen verschiedenen Aufführungen sehr aufwändig. Auch bei der künstlerischen Gestaltung sind teils Grenzen gesetzt. Mit einer Kreuzbühne könnten Bühnenbilder in Zukunft schneller gewechselt werden. Auch wären damit mehr Aufführungen, beispielsweise für das stark nachgefragte Stuttgarter Ballett, möglich.
Für wen wird das Opernhaus saniert?
Ein Jahrhundert-Projekt wie die Opernhaussanierung bewahrt den aus dem Jahr 1912 stammenden denkmalgeschützten Bau als Spielstätte für die preisgekrönte Oper und das weltbekannte Ballett für die kommenden Generationen. Es ist ein internationales Aushängeschild der Stadt, der Region und darüber hinaus. Die Württembergischen Staatstheater sind auch ein zentraler Standortfaktor für die Attraktivität von Stadt und Land. Inhaltlich und künstlerisch sind Oper und Ballett selbst zukunftsentwerfend und -gestaltend – sie benötigen aber auch ein Gebäude, in dem sie dies tun können.
Für wen wird Oper und Ballett gemacht?
Für alle Bürgerinnen und Bürger, für alle Menschen hier im Land und darüber hinaus, für alle Generationen. Oper und Ballett/Tanz sind universelle Kunstformen, die alle und alles einschließen. Sie verbinden Sprache, Bewegung, Musik, Emotionen und Sinnlichkeit zu einem Gesamterlebnis. Die Werke handeln von uns, von Menschen in besonderen Situationen und Konflikten. Oper und Ballett/Tanz arbeiten mit Erinnerung, Gegenwart und Entwürfen für die Zukunft.

Jede Spielzeit besuchen rund 450.000 Menschen die Staatstheater mit Oper, Ballett und Schauspiel. Im Opernhaus gibt es Karten ab 8 Euro. Für jede Vorstellung, für jede und jeden, der oder die interessiert ist, einschließlich des Fahrscheins für Hin- und Rückfahrt im VVS-Netz.

Die Oper lädt zu über 300 Vorstellungen unterschiedlicher Formate ein, vom 30-minütigen Sitzkissenkonzert für die Kleinsten über kostenlose Konzerte zur Mittagszeit, Kammerkonzerte und Sinfoniekonzerte in der Liederhalle, Programme zum Mitmachen, neue Formate an neuen Orten, Ungewöhnliches und Verblüffendes, Kooperatives und Integratives, Experimentelles und Audiovisuelles und natürlich die große Oper im historischen Zuschauerraum. Die Junge Oper im Nord richtet sich insbesondere an Kinder und Jugendliche, kooperiert mit allen Schulen im Land und leistet darüber hinaus Stadtteilarbeit in Stuttgart Nord vom Löwentor bis zum Hallschlag.

Das Stuttgarter Ballett präsentiert ein breitgefächertes Repertoire von traditionellen klassischen Balletten bis hin zu zeitgenössischem Tanz und fördert junge und etablierte Choreographen, indem in jeder Spielzeit Uraufführungen in Auftrag gegeben werden. Kostenlose Einführungen und gesonderte Kindereinführungen, Blicke hinter die Kulissen, öffentliche Trainings der Kompanie, Ballett im Park sowie Mini-Tanzworkshops und Ballettführungen sind einige der Vermittlungsprojekte und kostenlosen Angebote.
Gibt es ein vergleichbares Modernisierungsprojekt im Land?
Ein ähnlicher Kraftakt ist die Modernisierung des Naturwissenschaftlichen Zentrums auf dem Campus der Universität Stuttgart. Ab 2022 und über mindestens 15 Jahre sollen auf Basis heutiger Baupreise für 600 bis 800 Millionen Euro unter anderem in einem ersten Schritt zwei Ersatzgebäude neu gebaut und anschließend zwei Hochhäuser komplett saniert werden. Bei den Anfang der 1970er Jahren gebauten Häusern wurde rund 50 Jahre lang kaum saniert. Entsprechend hoch ist heute der Aufwand. Die bei diesem Projekt geschätzten Kosten sind ebenfalls eine grobe Kalkulation, enthalten allerdings noch keine Berechnung steigender Baupreise.
Wo gibt es vergleichbare Kulturbauprojekte? Und wie teuer waren die?
Die Württembergischen Staatstheater Stuttgart sind mit 1.400 Beschäftigten das größte Drei-Sparten-Theater weltweit. Bei den Städtischen Bühnen Köln, einem Zweispartenhaus (Oper und Schauspiel) mit gut 700 Beschäftigten waren die reinen Baukosten anfangs mit 253 Millionen Euro veranschlagt. Die reinen Baukosten liegen in Köln – ohne Risiken, Finanzierungskosten und Interim – derzeit bei 554 Millionen Euro. Mit Bau- und Finanzierungskosten wird in Köln mit 841 Millionen Euro gerechnet (https://sanierung.buehnen.koeln.de/faq). Die Städtischen Bühnen Frankfurt mit 1.110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in zwei Sparten wollten erst neu bauen, haben sich aber aus Kostengründen auch für die Sanierung im Bestand entschieden. Die reinen Baukosten werden heute auf 600 Millionen Euro beziffert. Hinzu kämen für ein Logistikzentrum mit Werkstätten, Lager und Fundus weitere 70 Millionen Euro. Noch nicht eingerechnet wären allerdings die Kosten für eine Interimslösung für das Schauspiel Frankfurt während der Bauarbeiten.
Wird es eine Bürgerbeteiligung geben?
Die Sanierung und Erweiterung des Opernhauses gehört zu den sogenannten Top-Projekten des Landes. Neben einer detaillierteren Planung und Kostenermittlung als Grundlage für die Entscheidung zur Umsetzung des jeweiligen Top-Projektes ist eine verstärkte Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen. Als Grundlage braucht es dafür das Umsetzungskonzept mit einer groben Kostenberechnung, das nun vorliegt. Wie vorgesehen, werden die Bürgerinnen und Bürger in verschiedenen Verfahren informiert und eingebunden – auch über die Beteiligungsplattformen des Landes und der Landeshauptstadt Stuttgart und in vielen öffentlichen Veranstaltungen.
Wie wird von Stadt und Land über die Sanierung und Erweiterung des Opernhauses entschieden?
Der fachliche Prozess läuft im Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater. Dieses Gremium setzt sich aus gewählten Vertreterinnen und Vertretern der im Gemeinderat und im Landtag vertretenen Parteien zusammen sowie aus Vertreterinnen und Vertretern aus Landesregierung und Landeshauptstadt Stuttgart. Der Verwaltungsrat liefert dem Gemeinderat der Landeshauptstadt und dem Landtag von Baden-Württemberg Entscheidungsgrundlagen und Empfehlungen für die Belange der Württembergischen Staatstheater. In den regelmäßigen Sitzungen des Verwaltungsrates werden alle für die Staatstheater wichtigen Themen besprochen. Nach den Sitzungen wird die Öffentlichkeit über die Ergebnisse informiert. Die Vertreterinnen und Vertreter der Fraktionen berichten in ihren Gremien, um ihre Kolleginnen und Kollegen für Entscheidungen über die Staatstheater im Gemeinderat und im Landtag vorzubereiten. Dies ist die klassische Arbeitsweise einer repräsentativen Demokratie.
Sollte man für das Geld, das für die Sanierung eingesetzt werden soll, nicht lieber Schulen, Straßen und Kitas bauen?
Sowohl Stadt als auch Land haben weitere wichtige Aufgaben. Diese werden aber neben der Sanierung und Erweiterung des Opernhauses trotzdem angegangen. Das Land Baden-Württemberg gibt im Jahr rund 50 Milliarden Euro aus. Über zehn Jahre gerechnet entspricht der Landesanteil für die Sanierung und Erweiterung des Stuttgarter Opernhauses etwa 0,1 Prozent des Haushaltsvolumens. Bezogen alleine auf die Bauprojekte des Landes über etwa 1 Milliarde Euro pro Jahr entspräche der Landesanteil etwa 5 Prozent. Und das alles bei Kalkulation des höchsten Wertes (inklusive Baupreissteigerungen und Risikopuffer).